Mülheim/Ruhr: Der Straßenbahn-Frühling

Veröffentlicht: 6. Mai 2012 in Mülheim/Ruhr, Stadtverkehr

Wie gerne würde ich an dieser Stelle von einem Frühling für die Mülheimer Straßenbahn berichten. Aber leider befindet sich die Straßenbahn in der Stadt an der Ruhr gerade, gelinde gesagt, im Spätherbst: Der Mülheimer Betrieb ist derzeit das Sorgenkind aller Tram-Enthusiasten. Plötzliche stille Streckenstilllegungen (wie am 02.04.2012 geschehen auf dem Abschnitt Hauptfriedhof – Flughafen) und ungepflegte Fahrzeuge zeugen nicht gerade davon, dass der Straßenbahn noch eine lange Zukunft bevorstehen wird.

Als ich am 19.03.2012 zu Besuch in Mülheim war, war zumindest etwas noch in Ordnung: der Ast der Linie 104 zum Flughafen wurde noch bedient und konnte von mir fotografisch festgehalten werden. Und das bei strahlendem Sonnenschein, sodass man fast denken konnte, es gebe doch einen Frühling für die Straßenbahn und nicht nur mit ihr…

Aktuell wird das Mülheimer Schienennetz durch folgende Straßenbahnlinien der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) bedient:

102 Uhlenhorst – Stadtmitte – Hauptbahnhof – Oberdümpten

104 Essen Abzw Aktienstraße – Grenze Borbeck – Stadtmitte – Hauptfriedhof (- Flughafen) [gemeinsam mit Fahrzeugen der EVAG Essen und der MVG bedient]

110 Friesenstraße – Stadtmitte – Hauptfriedhof

112 Kaiserplatz – Stadtmitte – OB Hauptbahnhof – Oberhausen Neumarkt

Hinzu kommen die gemeinsam mit der Essener EVAG bediente U-Bahn-Linie U18 (Mülheim Hbf – Essen Hbf – Essen Berliner Platz) und die von der Duisburger DVG bediente Linie 901 (Mülheim Hbf – Duisburg-Obermarxloh).

Der Duisbuger GT 10 NC-DU Nr. 1014 fährt auf Linie 901 aus dem Mülheimer Stadtbahntunnel in Richtung seiner Heimatstadt Duisburg aus. Rechts befindet sich der MVG-Betriebshof Rosendahl.

Für den Betrieb der Straßenbahnlinien stehen der MVG verschiedene Typen von M-Wagen, teilweise auch mit Niederflur-Mittelteil, sowie zehn niederflurige Fahrzeuge des Typs NF6D (äußerlich ähnlich der Bonner 94er) zur Verfügung.

Der Abschnitt von Uhlenhorst bis Broicher Mitte

Die Strecke führt zunächst mitten durch den Mülheimer Stadtteil Broich, was auch für ein entsprechendes Fahrgastaufkommen sorgt. Anders sieht das hinter der Haltestelle Heuweg aus. Die Strecke von hier zur Endhaltestelle Uhlenhorst ist einstellungsgefährdet, es soll besser eine Neubaustrecke in den lebendigen Stadtteil Saarn gebaut werden, sofern Geld verfügbar ist.

Grund genug, die Rundreise durch das Mülheimer Straßenbahnnetz hier an der Haltestelle Uhlenhorst zu beginnen:

Mit Wagen 277, einem M6C-NF (also mit EEF-Niederflurmittelteil) erreichte ich die idyllisch im Wald gelegene Endhaltestelle Uhlenhorst. Zumindest zwischen Waldschlösschen und der Endhaltestelle war ich der einzige Fahrgast.

Zwei Kurse weiter kam dann der blaue, für die Hochschule Ruhr West (HRW) werbende M6C-NF 281 zum Uhlenhorst und wurde von mir auf seinem Rückweg in die Stadt kurz vor der Haltestelle Waldschlösschen im Bild festgehalten.

Dort traf dieser auf Wagen 276, der im Gegensatz zu Wagen 281 kein niederfluriges Mittelteil bekam, sondern schon von Haus aus als M8C geliefert wurde.

Nach diesen zwei Wolkenbildern (es sollten vorerst die einzigen bleiben) kam endlich wieder die Sonne raus. Passend dazu war der sonnengelbe ADAC-Wagen 279 zwischen den Haltestellen Heuweg und Waldschlösschen unterwegs.

Unterdessen kam Wagen 276 von der Endhaltestelle Uhlenhorst zurück.

Zwischen den Haltestellen Heuweg und Waldschlösschen befindet sich eine in der Vormittagssonne sehr fotogene S-Kurve. Hier wird sie gerade von M6D Nr. 288 durchfahren, dessen Zielbänder defekt sind und wohl auch nicht mehr repariert werden.

Und der ADAC fährt auch wieder in die Stadt zurück…

Am Heuweg fuhr dann Wagen 277 wieder zum Uhlenhorst, sodass ich den gesamten Wagenauslauf der Linie 102 einmal gesehen hatte.

Ihn hatte ich nämlich schon am Uhlenhorst gesehen, nur hier noch nicht gezeigt: Der aus Bochum übernommene M6S 298 (ex BOGESTRA 307) hat gerade die Haltestelle Thüringer Straße in Richtung Uhlenhorst verlassen und fährt hinauf zur Haltestelle Broicher Friedhof.

An der Haltestelle Broicher Mitte treffen dann die Wagen 281 und 277 wieder aufeinander.

An der Stadtmitte

Da, wo die Straßenbahn dann in den Mülheimer Stadtbahntunnel eintaucht, ging es dann für mich zu Fuß weiter, ich wollte ja auch was von der Stadt sehen. Zunächst ging es am Betriebshof Rosendahl vorbei, dann zum Schloss Broich, wo unterirdisch auch die Straßenbahn hält. Und über die Ruhr ist man dann auch schon an der Stadtmitte, wo die unterirdisch verkehrenden Linien 102 und 901 auf die anderen, oberirdisch verkehrenden Straßenbahn- und Buslinien treffen:

Übernimmt er bald neben dem Flughafen-Ast weitere Straßenbahnstrecken? Der Bus, das große Gespenst in Mülheim 😉

MVG-Wagen 286 auf Linie 104 zum Hauptfriedhof. Zum Zeitpunkt meines Besuchs herrschte ein 20-Minuten-Takt zwischen Essen Abzw Aktienstraße und MH Flughafen (mit EVAG M8 bedient), der zwischen Grenze Borbeck und Hauptfriedhof mit Mülheimer Fahrzeugen auf einen 10-Minuten-Takt verdichtet wurde.

Von der Friesenstraße zur Stadtmitte

Als Nächstes stand der Ast zur Friesenstraße der Linie 110 auf dem Programm, der ja, wie die gesamte Linie 110 ebenfalls stilllegungsgefährdet ist. Selbst dann müsste man aber zumindest zwischen der Einmündung Oberhausener Straße und Stadtmitte nicht auf Straßenbahnverkehr verzichten, denn hier verkehrt auch noch die Linie 112 von und nach Oberhausen:

Der schöne „Silberpfeil“ 293, welcher mir dann noch öfter vor die Linse kam, brachte mich zur idyllisch gelegenen Schleife Friesenstraße.

Ihm folgte der gelbe Wagen 297 (ex BOGESTRA 306), der kurz vor dem Erreichen der Schleife Friesenstraße bereits auf das Fahrtziel Hauptfriedhof umgeschildert hat.

An der Siegfriedbrücke war Wagen 293 schon wieder auf dem Rückweg, der dritte Wagen, der auf der 110 unterwegs war, war ein aus Bochum übernommener M6S, den ich später zeige…

Etwas südlich der Siegfriedbrücke führt die Oberhausener Straße über die weiten Styrumer Bahngleise. Über die Brücke verkehren auch die Bahnen der Linie 112, so wie hier M8C 272.

M8C 274 warb mal für irgendjemanden – für Neulack hat es nicht mehr gereicht. Zwischen den Haltestellen Mülheim West und Sandstraße passieren die Bahnen das Firmengelände der Friedrich-Wilhelms-Hütte.

Bahnverfolgung in die Gegenrichtung: Wagen 271 (Linie 112) „verfolgt“ Wagen 297 (Linie 110).

Der restliche Abschnitt bis zur Stadtmitte ist dann nicht mehr allzu fotogen, sodass ich an der frischsanierten Haltestelle Friedrich-Ebert-Straße eine Straßenbahn der Linie 104 bestieg, die mich bis zum Hauptfriedhof brachte.

Vom Hauptfriedhof zum Flughafen

Wer bitte kommt auf die Idee, eine Bahnstrecke zum Flughafen stillzulegen? Das mag man einwenden, allerdings gilt es zu bedenken, dass am Mülheimer Flughafen nicht mehr wirklich viel los war. Neben gelegentlichen Linienflügen einer Ju52 ist der Flughafen in erster Linie ein Schulflughafen für die Ausbildung von Berufspiloten. Darüber hinaus erfolgte die „vorläufige“ Stilllegung aus Gründen der Verkehrssicherheit, denn schon bei meinem Besuch zwei Wochen vor der Stilllegung konnte die Strecke nur sehr langsam befahren werden:

Am Hauptfriedhof begegnet der wartende Wagen 291 seinem vom Flughafen kommenden Essener Kollegen mit der Nummer 1116, dessen Zielband ebenfalls defekt ist. Inzwischen enden alle Fahrten hier am Hauptfriedhof.

Die klassische Flughafen-Aufnahme, Straßenbahn mit Kiosk, ist nun nicht mehr möglich. Am 19.03 wartete EVAG-Wagen 1108 (ebenfalls mit defektem Zielband…) auf die Rückfahrt nach Essen. Die eigentliche Wendeanlage wurde auch damals schon nicht mehr benutzt.

„Pink Lady“ EVAG 1113 zwischen den Haltestellen Hauptfriedhof und Parsevalstraße im fotografenfreundlichen Tempo…

Es wird spannend sein zu beobachten, was aus diesem Abschnitt wird!

Vom Oppspring durchs Kahlenbergviertel zur Stadtmitte

Letzter Programmpunkt war die ebenfalls stark einstellungsgefährdete Strecke der Linie 110 durchs Kahlenbergviertel. Diese zweigt an der Haltestelle Oppspring von der Linie 104 ab und verläuft abseits stark befahrener Straße (am Spielplatz vorbei ;-)), bevor sie nahe der Haltestelle Stadtmitte wieder ins Getummel gelangt. Auch hier reicht die Fahrgastnachfrage offenbar nicht einmal für eine Bedienung im 20-Minuten-Takt:

An der Haltestelle Stiftstraße begegnen wir wieder dem „Silberpfeil“ 293 und dem Grund, warum es hier so wenige Fahrgäste gibt…

Das Gelb des Wagens 297 hebt sich nahe des Bismarckturms sehr gut von der kupfernen Hausoberfläche ab. Da die Straßenbahn auf Bergabfahrt ist, muss sich der M6S noch nicht einmal anstrengen.

Während der folgenden knapp 20 Minuten, die ich auf der Treppe gegenüber der engen Haarnadelkurve verbrachte, war es sehr interessant, die Autofahrer zu beobachten… Dann endlich bog Wagen 296, der auch auf dem allerersten Bild schonmal zu sehen war, um die Ecke.

Um die Ecke ging es auch für den gelben Wagen 297, nur leider ohne Sonne und etwas innenstadtnäher an der Haltestelle Wilhelmstraße.

Auf der Ruhrschnellbahn von Mülheim nach Essen

Zum Abschluss des Tages wollte das NRW-Ticket noch etwas ausgefahren werden, und auch ich hatte einfach Lust auf die einzige Mülheimer Schnellbahnstracke U18 (die übrigens auch rege genutzt wird). Leider ist die Strecke im Mittelstreifen der Autobahn A40 nicht sonderlich fotogen, und so nutzte ich die einzige Station mit Seitenbahnsteigen, Rosendeller Straße, für zwei Fotos, die mich qualitativ dann leider dennoch nicht so ganz überzeugen konnten:

B100S 5012 der MVG auf dem Weg Richtung Essen in der leuchtenden Abendsonne an der Rosendeller Straße.

Und, zehn Minuten später, B100S im Ursprungslack an der Rosendeller Straße.

Das Fazit des Tages: Mülheim bleibt spannend! Und vor der nächsten Streckenstilllegung hoffe ich mal auf eine frühzeitigere Ankündigung, sodass man die Chance hat, nochmal hinzufahren…

Kommentare
  1. Zierold sagt:

    Das war wieder ein sehr interessanter und informativer Bericht. Bitte weiter so!!!

  2. Ulrich Hoffmann jetzt Köln, früher Mülheim. sagt:

    Ja, um die früher blühende Mülheim Straßenbahn steht es leider schlecht. Schade

    • Hallo Herr Hoffmann,

      danke für den Kommentar! Ja, es ist schade, da es doch wesentlich kleinere Städte gibt, die zeigen, wie gut man auch in einer kleineren Stadt einen Straßenbahnbetrieb führen kann. Hoffen wir mal das Beste.

      Viele Grüße!

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