Eine Woche Bundeshauptstadt! – IV: Stettin, die Ostseeperle

Veröffentlicht: 12. November 2012 in Berlin, Eberswalde, Eisenbahn, Stadtverkehr, Szczecin (Stettin)

Im nunmehr vierten Teil der Berichtsserie verschlägt es uns nun ins Ausland, nämlich zu unserem östlichen Nachbarn Polen. Allerdings geht es nicht tief ins Land hinein, sondern „nur“ bis zur Hafenstadt Szczecin (Stettin).

Anmerkung: Der polnische Name Stettins lautet Szczecin. Zur besseren Lesbarkeit verwende ich im Bericht jedoch fast durchgehend den deutschen Namen der Stadt.

Montag, 24.09.2012

Die heutige Tagesplanung erforderte ein ganz frühes Aufstehen. So wollte ich um kurz vor acht am Alexanderplatz den Regionalexpress nach Stettin bekommen, was bedeutete, dass ich 7:18 Uhr am Hotel mit dem Bus losfahren muss. Ein gutes Frühstück zuvor war auch vonnöten, schließlich wollte ich für den einen Tag im Ausland nicht erst Geld tauschen müssen. Aber es ließ sich ganz gut an, sodass ich pünktlich den 248er bekam, welcher vom Südkreuz aus einmal quer durch Südostberlin bis zum Ostbahnhof fährt.

RE 5800 Berlin Alexanderplatz (+0) → Szczecin Glowny (+5)

Zusammen mit einer Wandergruppe hatte ich einen der beiden 928er der Doppeltraktion, ansonsten saßen nur noch einige Pendler im Zug, welche aber bis Angermünde ausgestiegen waren. Bis dorthin kamen wir aufgrund der wenigen Zwischenhalte auch sehr flott (der Zug hält zwischen Berlin Ostbahnhof und Angermünde nur in Bernau und Eberswalde). Nach Angermünde, nachdem die Strecke eingleisig geworden ist, begann eine ziemliche Schaukelei, die sicher auch der Grund für die Streckengeschwindigkeit von 50 km/h ist. So braucht man schon alleine von Angermünde bis zum Grenzbahnhof Tantow 30 Minuten, der „Hüpfer“ nach Stettin verschlingt nochmal 20 Minuten. Willkommen in Polen!

Ankunft in Stettin! Eine Doppeltraktion DB-628er brachte mich in die Oderstadt.

Dort angekommen, konnten noch zwei TLKs gesehen werden, nur zum Fotografieren war ich zu langsam. Ein Regio konnte noch auf den Chip gebannt werden:

EP07-370 mit ihrem Regio gen Osten.

Ein von PESA gebauter Regio der Reihe SA136.

Treppengewirr am Hauptbahnhof…

Anschließend widmete ich mich der Straßenbahn, wobei die ersten Bilder direkt am Bahnhofsvorplatz, im Bereich der Haltestellen Kolumba und Dworzec Glówny (Hauptbahnhof), entstanden:

Ein Konstal 105Na-Gespann mit Wagen 1051 an der Spitze fährt auf die Haltestelle Dworzec Glówny zu, aufgenommen von der Bahnsteigüberführung.

Hier beginnt und endet auch die Buslinie 75, die fast ausschließlich von den neuen und modernen Solaris-Gelenkbussen bedient wird.

Die Berliner Tram-Farben leuchten auch in Stettin, haben doch die dortigen Verkehrsbetriebe Tatra-Bahnen der Typen T6A2 und KT4D übernommen. Wagen 225 hat an der Haltestelle Dworzec Glowny den Fahrgastwechsel hinter sich gebracht und fährt jetzt weiter südwärts.

Mit einem Zug der Linie 3 ging es jetzt bis zur Haltestelle Brama Portowa, einer der zentralen Haltestellen am Innenstadtring. Hier präsentiert sich alles sehr neu und hübsch gestaltet:

Konstal 105N2k Nr. 784 erreicht, vom Oderufer kommend, die Haltestelle Brama Portowa.

Als nächstes entschied ich mich dafür, etwas Streckenkunde zu betreiben (so besonders war das Wetter nicht), und fuhr nach Glebokie an den nordwestlichen Stadtrand:

Konstal 105Na Nr. 778 führt die Traktion der Linie 9 an und steht an der Endhaltestelle Glebokie für die Rückfahrt Richtung Innenstadt bereit. Mit diesem kultigen Wagen ging es auch für mich wieder in Richtung Innenstadt, allerdings nur für einige Haltestellen.

Die ersten drei Haltestellen Richtung Innenstadt fuhr ich lieber mit der Straßenbahn, schließlich befindet sich hier eine Kaserne und Ärger mit der nachbarschaftlichen Staatsmacht wollte ich nicht gleich riskieren. Also startete ich meinen Tram-Spaziergang an der Haltestelle Spacerowa:

Noch auf Probefahrt vor dem Betriebshof, bald geht er auf Linie: KT4D Nr. 102 vor dem Betriebshof Pogodno.

Ein kurzer, freundlicher Blick zum diensthabenden Pförtner genügte für das folgende Foto:

Eine Kollektion von (historischen) Arbeitsfahrzeugen auf dem Betriebshof Pogodno.

Eine Schranke weiter links warten mehrere Konstal und Tatra auf die nächsten Einsätze.

Vor dem Betriebshof zweiteilt sich die Strecke. Zwei Gleise führen von der Innenstadt in Straßenmitte zur Endhaltestelle, links führen zwei weitere Gleise zum Betriebshof.

Werbetechnisch kein Einzelfall: Wagen 126 fährt Richtung Betriebshof Pogodno.

Bergab führt die Strecke nun zur Haltestelle Unii Lubelskiej, die Wagen 126 gleich erreichen wird.

Dichter Takt auf dem Nordwest-Ast: Wagen 125 ebenfalls an der Haltestelle Unii Lubelskiej.

Der folgende Streckenabschnitt ist recht schlecht erhalten, entsprechend stark werden die Fahrgäste bis zur Haltestelle Traugutta durchgeschüttelt:

Wagen 130 zwischen den Haltestellen Unii Lubelskiej und Traugutta.

Quark ist fertig: genug durchgeschüttelt wurden die Fahrgäste im Wagen 113 – ansonsten ist der Streckenzustand akzeptabel bis gut.

Ich wollte noch etwas anderes von Stettin sehen, deshalb fuhr ich mit Wagen 113 bis zum zentralen Plac Grunwaldzki in der nördlichen Innenstadt. Recht bekannt ist er, auf vielen Fotos konnte man die Bahnen an der Stelle schon sehen:

Die Zufahrt von Westen her hat eine interessante Häuserzeile zum Motiv: Wagen 1021, ein wie auch immer modernisierter Konstal 105N, erreicht gleich die Haltestelle Plac Grunwaldzki.

Das Gleiche mit Tatra: Wagen 123 kurz vor dem Plac Grunwaldzki.

Und der Blick in die Gegenrichtung: Die Traktion mit Wagen 1011 an der Spitze beim Fahrgastwechsel.

Nicht weit ist es nun bis zum Plac Rodla, der Stettiner Zentralhaltestelle. Hier treffen sich fast alle Stettiner Straßenbahnlinien, und die Sonne stieß bei meinem Besuch auch noch dazu. Toll!

Farbenfroh, aber nicht wirklich praktisch für den Fahrgast: Alles Werbung oder was an der Konstal N2k-Traktion, die sich dem Fotografen am Plac Rodla zeigt.

Wagen 223 auf Linie 3.

Arbeitswagen auf der Strecke sind immer ein kleines Highlight. Besonders bei diesem Gefährt:

Wagen 001 am Plac Rodla – von vorn.
Der Kollege in Warnweste hat eben die abzweigende Weiche gestellt, sodass die Fahrt nun weitergehen kann!

Und von hinten – schon kultig!

Wagen 757 zwischen den Haltestellen Rayskiego und Plac Rodla.

Da ich die Strecke von Brama Portowa hinunter an die Oder nach Wyszynskiego sehr interessant fand, lief ich auf direktem Wege zum Platz Brama Portowa – vorbei an der Haltestelle Plac Zolnierza Polskiego:

Konstal trifft auf Tatra – in Stettin ganz normal.

Der Weg ist nicht weit – flugs war ich wieder an der Haltestelle Brama Portowa, und von dort ging es hinunter zur Oder:

Wagen 1058 an der Haltestelle Brama Portowa. Das namensgebende Hafentor ist im Hintergrund zu sehen.

Bergauf geht es für die beiden Konstal 105N2k.

Und bergab für den PESA 120NaS Nr. 802.

Wagen 805 mit dem Blick über die Hafenanlagen.

Nett gelegen ist auch die direkt am Oderufer gelegene Haltestelle Wyszynskiego:

Etwas Busverkehr will auch gezeigt werden…

Und nochmal modernen Busverkehr in Form eines Solaris Urbino 18.

Auch modernen Bahnverkehr gibt es, in Form von sechs neuen PESA Swing. Weitere werden bald folgen…

Aber die älteren Fahrzeuge sind im ÖPNV-Bereich noch allgegenwärtig!

Der „Blick zurück“ ist ja oftmals durchaus ratsam! Und hier entstand vor der Kulisse der Johannes-Basilika mein einziges Bild von einem der beiden Moderus Alfa-Züge, die in Stettin unterwegs sind.

Nicht nur die Straßenbahnen wechseln hinter der Haltestelle Wyszynskiego die Oderseite, auch die „große Bahn“ tut dies:

Ein SA136 auf der Stettiner Oderbrücke gen Osten unterwegs.

Bus und Bahn auf der anderen Seite der Brücke, wo die Linie nach Basen Górniczy in der Mitte einer Schnellstraße entlangführt.

Von Energetyków bis nach Basen Górniczy nutzte ich dann nochmal die Straßenbahn, die geschwindigkeitstechnisch mit den Autos auf der gut ausgebauten Schnellstraße leider nicht mithalten kann:

Basen Górniczy ist Umsteigepunkt zu vielen regionalen Buslinien. Sicher könnte man hier die Straßenbahn problemlos verlängern – wenn das Geld da wäre.

Wagen 750 hat auf Linie 7 die Fahrt zum östlichsten Punkt des Straßenbahnnetzes hinter sich gebracht und wird gleich seine Fahrgäste nach draußen lassen.

Auch hier ist der Gleiszustand nicht der Beste, aber die Wendeschleife wird ja ohne Fahrgäste durchfahren.

Wagen 805 konkurriert mit dem Autoverkehr, wird es aber wohl schwer haben…

Und mir machte es leider das Wetter schwer. Zunächst fuhr ich noch eine Runde mit Wagen 805, schließlich wollte ich gerne mal polnischen Niederflurkomfort testen. Und der ist gar nicht mal schlecht, auch wenn mich der Innenraum sehr an diverse Bombardier-Erzeugnisse erinnerte…

Der strömende Regen und das Gewitter luden nun nicht gerade zu weiteren Entdeckungstouren ein. So entschied ich mich dafür, vorzeitig zurückzufahren und noch kurz beim ältesten Oberleitungsbusbetrieb Deutschlands in Eberswalde vorbeizuschauen. Dort könnte das Wetter ja besser sein…

RB 5815 Szczecin Glowny (+1) → Angermünde (+3)

Ein einzelner 628er stand am Bahnhof bereit, und er war schon fünf Minuten vor Anfahrt gut gefüllt. Die polnische Seite meinte, noch die Ausweise (der polnischen Fahrgäste) kontrollieren zu müssen, so dass sich die Abfahrt noch geringfügig verzögerte. Wieder wurde über das Gleisvorfeld geschaukelt, und plötzlich lagen zwischen Tantow und Angermünde ja noch Zwischenbahnhöfe ;-)! Ach ja, auch hier wurde nochmal etwas geschaukelt, auch wenn es mir weniger stark vorkam wie noch am Vormittag (was natürlich auch an der noch größeren Schaukelei in Stettin gelegen haben kann…).

RE 69615 Angermünde (+10) → Eberswalde Hbf (+8)

Der aus Schwedt kommende Anschlusszug wartete ausreichend lange auf uns Fahrgäste, die wir erst quer über den Ankunftsbahnsteig zur Treppe mussten um dann zwei Gleise wieder den anderen Bahnsteig zu erreichen. Neben zwei DR-Dostos hinter der 143er hatte der Zug dann noch drei modernere Doppelstockwagen, für die der Weg über den Abfahrtsbahnsteig dann nochwas länger wurde.

In Eberswalde konnten dann noch einige O-Bus-Fahrten am Hauptbahnhof abgewartet werden, denn gerade war Einrückerverkehr:

Wagen 061 war noch auf Linie unterwegs…

… Wagen 054 auch!

RE 18331 Eberswalde Hbf (+0) → Bernau (b Berlin) (-2)

Für die Weiterfahrt suchte ich mir einen Verstärkerzug nach Berlin-Gesundbrunnen, wenngleich ich nicht bis dorthin wollte. Vielmehr wollte ich in Bernau aussteigen, um dem Hunger nachzugeben. Und der „Dönermann“ direkt am Bahnhof ist dafür wirklich zu empfehlen! Jetzt nutzte ich die S-Bahn bis Pankow, dann die U-Bahn zum Alexanderplatz und begab mich noch etwas auf Streckenkunde: U8 bis Osloer Straße, U9 bis Rathaus Steglitz und zurück bis Walther-Schreiber-Platz und dann mit dem M76 bis Alt-Mariendorf. Und von dort aus ist es nicht mehr weit bis zum Hotel…

Morbider Charme in der Verteilerebene am Rathaus Steglitz.

Wagen 2543 steht für die Rückfahrt nach Osloer Straße bereit.

Auch dies war wieder ein sehr interessanter Tag. Auf Fotos sehen die Konstal 105Na ja oft so aus, als würden sie gleich zusammenfallen, aber im Gegenteil: das sind richtig robuste Wagen! Und die Stettiner Straßenbahner beweisen einiges an Liebe zu ihrem Betrieb. Es lohnt sich, da mal vorbeizuschauen!

Morgen steht wieder mal Berlin selbst auf dem Plan!

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