Über Umwege ins Elsass – I: Entlang der Maas bis nach Strasbourg

Veröffentlicht: 29. Mai 2013 in Eisenbahn
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Es ist mal wieder Zeit für einen Reisebericht! Diesmal ging es für mich in erster Linie ins schöne Elsass, wobei ich mir vorher noch einen Abstecher nach Belgien erlaubte. Aber seht selbst:

20130509-047

PROLOG  |  Mittwoch, 08.05.2013  |  km 0,0 – 21,5

Es wurde mal wieder Zeit zu verreisen. Manchmal ist das ja einfach so. Nicht, dass ich länger nicht verreist wäre, aber diese Reisen fanden allesamt zuletzt immer aus dienstlichem Anlass statt. Nein, ich wollte endlich mal wieder ausgiebig Züge fotografieren, nachdem das schlechte Wetter hierzulande die Möglichkeiten dazu stark eingeschränkt hatte. Die Feiertage im Mai bieten sich für eine solche Reise ja geradezu an, auch wenn es für die vier Tage natürlich auch nicht so übermäßig weit weggehen sollte.

Da kam die in der Drehscheibe Galerie gefundene Info gerade recht, dass die derzeit im Elsass eingesetzten Dieselloks der Reihe BB 67400 kurz vor ihrem Einsatzende, zumindest was die Bespannung der Corailzüge Strasbourg – Sarreguemines angeht, stehen. Das ist nicht allzuweit weg, und im Elsass scheint meistens die Sonne. Also ein ideales Reiseziel… Da ich ja in erster Linie Züge fotografieren wollte, benötigte ich noch einen fahrbaren Untersatz. Da fand ich bei Europcar ein sehr gutes Angebot über die Brückentage im Mai, was mich schließlich zu einem silbernen, dieselgetriebenen Citroen C3 brachte 😉 Nach der Arbeit konnte ich ihn am Mittwoch nachmittag endlich abholen, sodass der Kurzurlaub zum Greifen nah war. Wenn man schonmal ein Auto hat, wollen natürlich noch einige Einkäufe erledigt sein, und so waren am Ende des ersten Miettages schon etwas mehr als zwanzig Kilometer auf meiner Tachonadel. 1500 waren im Preis inklusive, und, soviel kann ich wohl schon verraten, ich war am Montag nur knapp darüber…

Jetzt noch packen und alles gut ins Auto räumen – glücklicherweise braucht man für die vier Tage ja nicht wirklich viel, und so passte alles gut in den Kofferraum. Um eine Unterkunft hatte ich mich auch schon bemüht. Und wo soll man im Mutterland des IBIS auch sonst übernachten? Im IBISbudget natürlich! Das liegt äußerst verkehrsgünstig südlich von Strasbourg zwischen der A35 (Strasbourg – Mulhouse) und der Bahnstrecke der selben Relation mit direktem Auto- und Eisenbahnzugang… Kurzum: alles ist vorbereitet, morgen früh kann es losgehen!

ENTLANG DER MAAS BIS NACH STRASBOURG  |  Donnerstag, 09.05.2013  |  km 21,5 – 655,4

Endlich war es dann soweit. Gegen sechs Uhr ging es raus aus dem Bett, nachdem der Wecker schon fast eine Stunde lang geklingelt hatte. Wobei – „der Wecker“ ist falsch, besser wäre wohl „die Wecker“… Eine Stunde später war dann alles gepackt und ich machte mich auf den Weg.

Als erstes Ziel stand das belgische Moresnet auf dem Plan, wobei ich natürlich nicht wusste, was an einem Feiertag auf der Montzenroute so los ist. Das Navi sagte eine Ankunft gegen 08:20 Uhr voraus, was nach dem mir vorliegenden Fahrplan für die am Donnerstag fahrenden Züge ok sein dürfte. Aber heute war ja nicht nur Donnerstag, sondern auch Feiertag. Ob der Fahrplan da wohl so passt? Pünktlich kam ich an, der Himmel war noch grau und bedeckt, dazu nieselte es hin und wieder leicht. Der erste Zug kam dann nach etwa einer Viertelstunde – aber aus der falschen Richtung: ein traxxbespannter KLV Richtung Montzen auf dem in Fahrtrichtung rechten Gleis, was von meiner Position im Ort eben leider weniger günstig war. Auch der zweite Zug fuhr, diesmal mit einer Class 66 bespannt, in Richtung Montzen, sodass ich nun geneigt war, mir eine Stelle in diese Richtung auszusuchen. Das war auch nicht schwer, auf den Sonnenstand brauchte ich ja nicht zu achten, und so verschob ich mich weiter in Richtung Ortsmitte. Da war dann aber plötzlich tote Hose auf den Viadukt, sodass ich mich nach kurzer Stellenbeschau wieder ins Auto setzte und weiter in Richtung Lüttich fuhr.

SNCB 2824 zieht ihren Güterzug, womöglich den 44514, am Himmelfahrtsmorgen über das Göhltalviadukt bei Moresnet.

SNCB 2824 zieht ihren Güterzug, womöglich den 44514, am Himmelfahrtsmorgen über das Göhltalviadukt bei Moresnet.

Auf dem Atlas schaute ich mir nun den Ort Engis am Maasufer ala nächstes Fahrtziel aus und ließ mich über die Autobahn bis zum Bahnhof des Ortes leiten. Die dortige Bahnhofseinfahrt bot sich als Motiv durchaus an… Nach ca. 30 Mituten Warten kam die erste Gumminase – leider im Schatten der einzigen etwas größeren Wolke weit und breit. Ansonsten hatte es nämlich aufgezogen und war recht sonnig. Ich hatte nun auch etwas Gelegenheit, den Fahrplan zu studieren, der in dem kleinen Ort natürlich nur die L-treins, also die Nahverkehrszüge enthielt. Zweistündlich fahren diese hier am Feiertag, in der geraden Stunde nach Namur, in der ungeraden nach Lüttich. Für den nächsten Zug nach Lüttich, mit hoher Wahrscheinlichkeit eben dieser Nahverkehrszug, suchte ich mir dann eine Stelle an einer weiter östlich gelegenen Brücke.

Das zweite Bild, der erste Wolkenschaden: SNCB 471 mit "Verzierung" bei der Durchfahrt durch Engis.

Das zweite Bild, der erste Wolkenschaden: SNCB 471 mit „Verzierung“ bei der Durchfahrt durch Engis.

Das war dann schon besser: CityRail-Triebwagen 975 hat soeben als L-trein in Engis gehalten und fährt nun weiter Richtung Lüttich.

Das war dann schon besser: CityRail-Triebwagen 975 hat soeben als L-trein in Engis gehalten und fährt nun weiter Richtung Lüttich.

In Huy machte ich kurz am Bahnhof Halt, wo mir nochmal der AM 96 Nr. 471 als IC nach Lille-Flandres begegnete.

In Huy machte ich kurz am Bahnhof Halt, wo mir nochmal der AM 96 Nr. 471 als IC nach Lille-Flandres begegnete.

Hinter Huy versuchte ich dann, der Bahn zu folgen ohne die Maas zu überqueren, was für mich in einer Sackgasse endete. Und so fuhr ich mit Zwischenstopp in Andenne schließlich nach Nameche, von wo ich ein interessantes Bild gesehen hatte. Dort gabs am Bahnhof dann zunächst nochmal den aus Engis bereits bekannten CityRail-Triebwagen, bevor ich dann am westlichen Ortsende die schonmal gesehene Stelle fand, an der ich auf den IC Richtung Lüttich wartete. Die wurde dann aus Zeitgründen jedoch mit dem IC in die Gegenrichtung als Nachschuss abgehandelt, zumal die Sonne auch nicht anwesend war.

Schon fast ein alter Bekanter: CityRail-Triebwagen 975 (AM 73CR) nimmt gleich in Nameche Fahrgäste auf.

Schon fast ein alter Bekanter: CityRail-Triebwagen 975 (AM 73CR) nimmt gleich in Nameche Fahrgäste auf.

Die weiter westlih gelegene "Felsenstelle" mit Nachschuss auf Gumminase 450.

Die weiter westlich gelegene „Felsenstelle“ mit Nachschuss auf Gumminase 450.

Jetzt folgte das wohl interessanteste Teilstück, kurz vor Namur, aber auch hier hätte ich eine einstündige Zugpause hinnehmen müssen. Prinzipiell gesehen kein Problem, aber da es heute Abend ja noch bis nach Straßburg gehen soll, wäre das eher kontraproduktiv gewesen. Und so gab ich als Nächstes den Bahnhof von Namur als Ziel ins Medion Navi ein. Nachdem ich das Auto im benachbarten Parkhaus abgestellt hatte, ging ich zum Bahnhof, dessen Empfangsgebäude zwar sehr schön ist, der ansonsten aber äußerst nüchtern gehalten ist. Da es gerade Zeit für ihn war, gab es den EC 97 nach Zürich HB mit SNCB 1354 vorndran genau dort im Bahnhof.

SNCB 1354 zog den EC 97 auf dem Weg nach Zürich im belgischen Teilabschnitt und erreicht gerade den Bahnhof Namur.

SNCB 1354 zog den EC 97 auf dem Weg nach Zürich im belgischen Teilabschnitt und erreicht gerade den Bahnhof Namur.

Gestärkt mit einem leckeren, warmen Prosciutto-Panini (bin ich denn nun auch noch in Italien gelandet???) wollte ich nun die nächste Etappe der Reise in Angriff nehmen: die Athus-Meuse-Linie. Da aber schon zwischen Lüttich und Namur kein einziger Güterzug zu sehen war, konnte ich mir schon denken, dass zwischen Namur und Frankreich nicht viel mehr los sein wird, zumal in Frankreich ja gestern auch schon Feiertag war. Und so verfuhr ich mich, leicht unmotiviert, trotz Navi in Namur. Wobei die Ursache sicher nicht fehlende Motivation meinerseits war, sondern ein Stadtfest genau dort, wo ich lang musste… Nachdem ich umgelenkt hatte, stand ich dann noch im Stau, naja. Aber das Navi fand einen Weg heraus aus Namur, über irgendeine Nebenstraße, und auf einmal fuhr ich über einen Bahnübergang. Blick nach links, Blick nach rechts – was steht denn da? Eine recht abgeranzte 55er der SNCB stand auf dem rechten Streckengleis vor einem Signal. Ich also rechts rangefahren, ausgestiegen und dokumentiert:

SNCB 5532 am Bahnübergang in Naninne - Was macht die da?

SNCB 5532 am Bahnübergang in Naninne – Was macht die da?

Weiter ging es über enge und kurvige Nebenstraßen, bis ich dann irgendwann wieder unten an der Maas war. Die Maasbrücke nördlich von Dinant wollte ich mit einem der stündlich verkehrenden Intercities probieren, aber von der linken Seite kommt man nicht vernünftig ran. Also weiter nach Dinant, mal schauen, ob und wenn ja was los ist. Nix, bis auf zwei Break-Triebwagen als IC nach Brüssel. Auf Güterzüge muss also wohl nicht gewartet werden, deshalb checkte ich schonmal die weitere Fahrtstrecke und gab sie ins Navi ein, etwa dreieinhalb Stunden Fahrt sind es noch. Bevor ich die unter die Räder nehme, soll es aber noch einer dieser kleinen Dieseltriebwagen sein, die die südlich von Dinant abweichend elektrifizierte Athus-Meuse-Linie aller zwei Stunden befahren. Da böte sich ja dann die zweite Maasbrücke im Süden von Dinant an! Und siehe da, an deren südlichem Brückenkopf liegt der Bahnhof Anseremme:

AM 08 08504 als L-trein nach Libramont kurz vor dem Bahnhof Anseremme.

AM 08 08504 als L-trein nach Libramont kurz vor dem Bahnhof Anseremme.

Nochmal SNCB 08504 mit ihrem L6066 nach Libramont.

Nochmal SNCB 08504 mit ihrem L6066 nach Libramont.

Zu meinem großen Erstaunen kein Dieseltriebwagen, sondern ein Desiro ML! Sind die denn zweisystemfähig? Offenbar schon, wie ich dann mitbekam, es steht an den Zügen ja schließlich so dran. Also entschied ich mich vor der Fahrt nach Straßburg, in Bertrix nochmal zum Bahnhof zu fahren. Meine Richtung ist es, und den Zug hätte ich auch gerade so eingeholt. Und es passte genauso, daher entstanden in Bertrix noch ein paar Bilder:

Gute fünf Minuten war der Desiro ML auch in Bertrix.

Gute fünf Minuten nach mir war der Desiro ML auch in Bertrix.

In Bertrix machen die L-treins Kopf und fahren dann noch weiter über die Querspange, welche die Athus-Meuse-Linie mit der Hauptstrecke Namur-Luxembourg verbindet, nach Libramont.

In Bertrix machen die L-treins Kopf und fahren dann noch weiter über die Querspange, welche die Athus-Meuse-Linie mit der Hauptstrecke Namur-Luxembourg verbindet, nach Libramont.

Auch nach Arlon fahren die Desiros, hier 08505 etwa fünf Minuten nach Abfahrt des Zuges nach Libramont.

Auch nach Arlon fahren die Desiros, hier 08505 etwa fünf Minuten nach Abfahrt des Zuges nach Libramont.

Hoch in den Ardennen wurde einiges modernisiert, so wirkt auch die Oberleitung über den Abstellgleisen sehr neu!

Hoch in den Ardennen wurde einiges modernisiert, so wirkt auch die Oberleitung über den Abstellgleisen sehr neu!

Und wenn man schonmal hier ist und zurück zur Autobahn muss, kann man auch noch zum Endbahnhof dieser Züge fahren – nach Libramont:

In Libramont standen einige Wagen und auch 6251 herum.

In Libramont standen einige Wagen und auch 6251 herum.

Aber auch 08504 war schon da (ich hatte ja noch etwas in Bertrix gewartet) und macht sich für die Rückfahrt nach Dinant bereit.

Aber auch 08504 war schon da (ich hatte ja noch etwas in Bertrix gewartet) und macht sich für die Rückfahrt nach Dinant bereit.

Jetzt ging es aber wirklich weiter. Mit der Fahrt nach Bertrix hatte ich ja schon die ersten sechzig Kilometer hinter mich gebracht, fast 300 fehlten noch. Und so ging es jetzt zügig, aber dem jeweiligen Tempolimit entsprechend, erst Richtung Luxemburg und dann Richtung Saarbrücken. Bis Zweibrücken befuhr ich dann noch die deutsche A8, bevor es dann über eine Bundesstraße ins französische Bitche ging. Dann weiter nach Haguenau, auf die mautfreie Autobahn um Strasbourg herum, und genau dort, wo der dreistreifige Ausbau endet, befindet sich das von mir gebuchte IBISbudget, wo ich mir am Automaten dann meinen Zimmercode abholen konnte. Ich hab sogar Bahnblick! Und so endet dieser Tag, denn morgen gehts früh raus um die Pendlerzüge von Sarreguemines zu fotografieren, die morgen hoffentlich fahren…

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Nach meinen Planungen sollte der nächste Teil dieser Serie dann nicht allzu lange auf sich warten lassen…!

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